Blickwechsel / Regards croisés – ein Oberstufenprojekt

 

Schülerinnen des Französisch-Leistungskurses (Jahrgang 12) konnten auch in diesem Jahr wieder an einem besonderen Austausch mit unserer Partnerschule, dem Lycee Notre Dame in Dijon, teilnehmen.

Bei unseren Treffen in Dijon und in Mainz wurden zu unterschiedlichsten Themen Vorträge und Besichtigungen  angeboten. Im Anschluss  daran erarbeiteten deutsche und französische Schülerinnen und Schüler eine gemeinsame Präsentation, die jeweils in der Sprache des anderen dargeboten wurde.

 

Hier einige Passagen der Erfahrungsberichte:

 

Das erste Thema waren die „enfants maudits“, Kinder aus dem zweiten Weltkrieg, mit einer französischen Mutter und einem deutschen Wehrmachtsoldaten als Vater. Dazu trafen wir zwei Mitglieder der Organisation „coeurs sans frontiers“, die selber unter dieser „Scham“, aufwuchsen und uns von ihrem bewegenden Leben berichteten.

Entspannen und genießen konnten wir bei einer Besichtigung des Museums eines bekannten Lebkuchenherstellers in Dijon: „Mulot et petitjean“, bevor wir uns wieder politisch-sozialen Krisen zuwandten. Thema waren die aktuelle Flüchtlingskrise und die Proteste der „gilets jaunes“, der Gelbwesten, die seit Ende des Jahres 2017 durch mehr oder weniger gewaltsame Proteste für politische Reformen in Frankreich demonstrieren.

 

Unsere Ergebnisse setzten wir zum Schluss kreativ in deutsch-französischen Kleingruppen zu Interviews, Standbildern oder Werbefilmen um.

 

An einem Tag haben wir unsere Austauschpartner*innen in ihrem Schulalltag begleitet. Es war interessant, sich die Unterschiede unserer beiden Schulsysteme vor Augen zu führen. Französische Schulen sind sehr viel weniger interaktiv und haben längere Unterrichtszeiten. Das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern ist hierarchischer und es wird mehr Wert auf Regelkonformität gelegt. Bei einem abschließenden Evaluationsgespräch waren wir uns alle einig, dass uns das deutsche Schulsystem besser gefällt.

 

Im Laufe des Austauschs ist uns allen klar geworden, wie wichtig die internationale Zusammenarbeit ist und wie schädlich Xenophobie für uns alle ist. Daher ist der Kontakt zu anderen Nationen gerade auch für Jugendliche besonders wichtig. Ich kann jeden nur dazu ermuntern diese Gelegenheit auch zu ergreifen, denn man hasst nur, was man nicht kennt.

 

Der Rückbesuch war geprägt von den Eindrücken des gemeinsamen Besuchs der Gedenkstätten von Verdun und der Auseinandersetzung mit den Ereignissen des Ersten Weltkrieges, in dem sich französischen und deutschen Soldaten auf dem Schlachtfeld gegenüberstanden.

 

Hier wieder Auszüge aus einem Erfahrungsbericht:

 

Besonders erschreckend war für uns der Anblick tausender weißer Kreuze, die für die Soldaten auf einer weiten Wiese aufgestellt wurden.

Auch wenn der Tag sehr anstrengend war, hatte sich die lange Fahrt gelohnt, da uns durch diesen Besuch klar wurde, dass wir die deutsch-französische Freundschaft, wie sie heute besteht, und allgemein die europäische Gemeinschaft sehr zu schätzen wissen sollten, da sie beide nicht immer selbstverständlich waren und dahinter ein langer, schwieriger Weg lag.

Als wir am nächsten Tag unsere Erlebnisse und Eindrücke noch einmal in nachbearbeiteten, waren wir uns auch alle einig, dass derartige Ereignisse sich niemals wiederholen sollten und es nun vor allem an uns Jugendlichen liegt, den Frieden Europas zu bewahren, da wir seine Zukunft sind.

 

Diese Verantwortung wurde uns umso mehr bewusst, als wir anschließend gemeinsam mit Herrn Kraus den Rechtsextremismus in Europa behandelten. In kleinen bilingualen Gruppen bearbeiteten wir Materialien, die über ausländerfeindliche Parteien einiger europäischer Mitgliedsstaaten informierten und stellten erschrocken fest, dass es nahezu in jedem europäischen Staat eine rechte Bewegung gibt, die anti-europäisch gesinnt ist. Dies zeigte uns, dass die derzeitigen europäischen Beziehungen keineswegs selbstverständlich und unantastbar sind, sondern, dass wir uns alle stets darum bemühen müssen, dass sie aufrecht zu erhalten.

 

Eine spannende Abwechslung, die uns allen nach den bedrückenden und erschreckenden Informationen und Erlebnissen sehr gelegen kam war der Besuch des  Mainzer Staatstheaters wo wir Einblicke hinter die Kulissen und vor allem in die vielfältigen Werkstätten  erhielten. Anschließend besichtigten wir das Mainzer Fastnachtsmuseum, was natürlich einen Platz in unserem deutsch-französischen Kulturprogramm verdiente!

 

Die Ausstellung „Nicht die geringste Erinnerung an diese Leute“, die den deutschen Widerstand gegen den Nationalsozialismus thematisierte bildete den Abschluss unseres Programms.

 

Wie in Dijon auch präsentierten wir unsere Ergebnisse gegenseitig, die Französinnen und Franzosen taten dies natürlich auf Deutsch, während die deutschen Schülerinnen französisch sprachen. Schließlich diente unser Austauschprojekt auch der Erweiterung unserer Fremdsprachenkenntnisse.

 

Am letzten Tag  begleiteten uns unsere französischen Gäste in den deutschen Unterricht Ein besonderer Programmpunkt war der Stufengottesdienst, der an diesem Morgen für die zwölften Klassen stattfand. So konnten die französischen Schülerinnen und Schüler auch zusätzlich einen Einblick in die Besonderheit unserer christlichen Schule gewinnen.

 

Wir alle empfanden die gemeinsame Woche in Mainz als sehr aufschlussreich und spannend, auch wenn wir ein straffes, anstrengendes Programm verfolgt hatten. Es war eine tolle Chance, Kontakte mit französischen Jugendlichen knüpfen zu können und dabei einerseits die Kultur des anderen zu erfahren sowie andererseits die eigenen Sprachkenntnisse testen und erweitern zu können. In dieser Woche ist uns sehr deutlich geworden, wie wichtig es ist, die deutsch-französische Freundschaft weiterhin zu pflegen.

 

Wir bedanken uns an dieser Stelle ganz herzlich bei Frau Knaupe und Frau Beckmann, die den Austausch auf deutscher Seite organisiert und begleitet haben.

 

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