Aktuelles im Schuljahr 2017/18

 

 

Kulturabend des Jahrgangs 12

 

Ein ebenso buntes wie ansprechendes Programm bot sich den zahlreich erschienenen Besuchern des alljährlichen Kulturabends der Jahrgangsstufe 12, die sich trotz der sommerlichen Temperaturen in der Sporthalle eingefunden hatten. 

Der Abend startete mit einer Darbietung der Musikkurse des Jahrgangs. Diese präsentierten die Lieder „Children of the World“ und „One Sun One World“ aus dem gleichnamigen Musical. Im weiteren Verlauf folgten der „Black & White“-Chor aus Klein-Winternheim, der aktuelle Songs aus den Charts zum Besten gab, und der Kammerchor der Maria Ward-Schule und des Willigis-Gymnasiums. Auch in sportlicher Hinsicht kamen die Zuschauer auf ihre Kosten. Neben tänzerischen Leistungen, wie Bauchtanz, stand auch Kunstradfahren auf dem Programm. Zudem begeisterte die Theater-AG mit einer Interpretation aus der Märchenwelt. Schülerinnen eines Deutsch-Leistungskurses schlüpften in die Rollen von Werther, Effi Briest, Emilia Galotti, Woyzeck und Gregor Samsa. Diese unterschiedlichen Charaktere trafen unter dem Motto „literarische Selbsthilfegruppe“ aufeinander.

Nach dieser gelungenen Veranstaltung möchten wir uns sehr herzlich für die zahlreichen Spenden bedanken, die unserer Abikasse zugutekommen. Ein Dank geht auch an alle, die mitgeholfen haben, diesen Abend zu organisieren und zu gestalten.

Janina Müller, MWS-Presse

 

 

 

 

Religionen, Konflikte, Mauern – Mainz in Jerusalem

 

 

Nahost-Konflikt, Westjordanland, Gaza-Streifen, Anschläge, Gewalt,... alles schon mal in den Nachrichten gehört. Vielleicht weiß man auch wie der Konflikt in Israel ungefähr entstanden ist. Doch die Dimensionen und die Bedeutung, die bekommt man in Deutschland nur am Rande mit. Neun Schülerinnen mit Frau Ursula Hartmann und Frau Dr. Andrea Litzenburger als Begleiterinnen fuhren vom 2. bis zum 9. November in das sogenannte Heilige Land und lebten in einer anderen Kultur, zum Teil in einer anderen Religion und irgendwie auch in einer anderen Welt.

Bereits im März waren Schülerinnen der Schmidt-Schule, einer deutschen Schule der Maria Ward-Schwestern in Jerusalem, nach Deutschland gereist. Die Schmidt-Schule liegt in Ostjerusalem, Schülerinnen sind zu 80% muslimisch, zu 20% christlich. Congregatio Jesu ist der Schulträger, der Deutsche Verein vom Heiligen Landeist der Eigentümer der Schmidt-Schule. Aufgrund des Besuches im März kannten die meisten Teilnehmerinnen ihre Austauschschülerinnen schon und freuten sich auf das Wiedersehen. Die Reise begann am 2. November mit einem vierstündigen Flug nach Tel Aviv-Jaffa. Bevor die Schülerinnen losflogen, mussten sie sich jedoch einer Befragung der Fluggesellschaft unterziehen, einer israelischen Fluggesellschaft. Schon hier merkte man annäherungsweise den Konflikt, ob man genauso ausgefragt worden wäre, wäre der Austausch mit einer israelischen Schule gewesen, weiß man nicht. Nach der Ankunft in Jerusalem am Abend lernten die Schülerinnen ihre Gastfamilie kennen. 

Am nächsten Tag, Freitag, war von dem Austausch kein Programm vorgesehen, da die freien Tage der Schülerinnen in der Schmidt-Schule Freitag und Sonntag sind, was man auf die Konfessionen zurückführen kann. Doch einige Schülerinnen aus Jerusalem hatten bereits etwas geplant und so ging es in die Nähe von Ramallah, einer Stadt in der Westbank, dem Westjordanland. Den Tag über hatten die Schülerinnen die Gelegenheit bei einer Olivenernte mitzuhelfen, am Abend wurde gegrillt. Der nächste Tag hielt mehrere Vorträge bereit, die sowohl die Schülerinnen aus Mainz als auch aus Jerusalem in ihrer Berufsfindung unterstützen sollten. So gab es vielfältige Vorträge von Menschen, die beruflich in Jerusalem oder in der Nähe arbeiten. Frankfurter Rundschau, United Nations, Internationales Rotes Kreuz und das Auswärtige Amt sind nur einige der Institutionen, die den Schülerinnen näher gebracht wurden. Montags führte uns Dr. Georg Röwekamp, ein Vertreter des Deutschen Vereins vom Heiligen Landedurch die Jerusalemer Altstadt und gab uns einen großartigen Überblick über die faszinierende Stadt. Die Schülerinnen besuchten Orte, die man oft schon in den Nachrichten gehört hatte: Klagemauer, Tempelberg, Erlöserkirche... Die Altstadt von Jerusalem ist weitverzweigt und so viele offen ausgelebte Religionen sieht man wirklich nicht oft. Der nächste Tag, Dienstag, hielt ein Tagesausflug nach Bethlehem bereit. Als Erstes besuchte man die Geburtskirche. Vielleicht denkt man ja bei dem Ort an stille Eintracht oder ruhige Meditation. Die konnte man allerdings lange suchen. Über eine Stunde anstehen, während sich mehrere Leute, während sie sich vordrängeln, sich darüber beschweren, dass sie mehr Platz bräuchten. Die Jugend von heutekonnte sich mal an dieser Stelle über die ältere Generation aufregen auf ähnliche Weise wie diese es gerne tun. Eine Dame machte zum Beispiel den Schülerinnen klar: „This is the German border and this the Bulgarian border. Don't go about this!“ oder an andere Stelle: „This is no shop, this is a church!“ Bei so viel Gedränge, auch von der besagten Frau ausgehend, kam man sich allerdings doch tatsächlich eher vor wie samstags auf dem Wochenmarkt als in einer Kirche. Die angebliche Geburtsstätte Jesu, über die die Kirche errichtet worden war, konnten die Schülerinnen nach knapp eineinhalb Stunden dann auch besichtigen. Des Weiteren hatten die Schülerinnen die Gelegenheit in gewisser Weise das Symbol für den Konflikt sehen: die Mauer. Die Mauer, die das Westjordanland abgrenzt. Die Mauer, die die PalästinenserInnen von dem restlichen Land abgrenzt, denn nur wer einen bestimmten Pass hat, kann die Grenzen passieren. Die Grenzen werden mit Checkpointen kontrolliert. Soldaten mit Waffen, die in Deutschland Polizisten nur in Ausnahmesituationen tragen, kommen in den Bus und verlangen von Touristen ihre Pässe, von PalästinenserInnen ihre Genehmigung, sich außerhalb der Westbank aufzuhalten. Der Konflikt ist in solchen Momenten fast zum Greifen nah. Das Misstrauen, das israelische Soldaten, PalästinenserInnen entgegenbringen spürt man. In Bethlehem besuchten die Schülerinnen auch das Baby Caritas Hospital. Ein Vortrag über die Arbeit in der Westbank macht einem klar wie privilegiert man in Deutschland lebt. Denn die meisten Menschen in dem Palästinensischen Autonomiegebiet haben nicht genug Geld, die Behandlungen zu bezahlen, das Krankenhaus ist auf Spenden angewiesen, denn die Kosten werden fast alle übernommen. Die Reise nähert sich dem Ende, doch ein letzter Höhepunkt wartet: Das Tote Meer. Nach einer Führung durch eine Salzfabrik, können die Schülerinnen bei 30 Grad die Sonne und das Meer genießen. Nach dem salzigen Erlebnis besucht die Gruppe Jericho, die älteste und tiefste Stadt der Welt. Dort hatte man auch die Gelegenheit Kamel zu reiten. Danach ging es zu dem zweiten Naturspektakel neben dem Toten Meer. Es ging in die Wüste, der Ausblick war einzigartig und nur als unglaublich zu beschreiben. Am nächsten Tag verabschiedeten sich die Schülerinnen unter Tränen. Der Abschied fiel sehr schwer, die Erlebnisse hatten die ganze Gruppe zusammengeschweißt. 
Doch wo waren wir jetzt eigentlich? Israel? Palästina? Das einzige, was wir mit Sicherheit sagen können ist: Wir waren in Jerusalem.

Jedoch lebten lebten wir bei palästinensischen Familien. Wir hörten die Sichtweise der PalästinenserInnen über den Konflikt. Wir sahen die Mauer, die Palästinenser eingeschlossen hält. Diese Sicht auf den Konflikt haben gespürt und gelebt. Den Konflikt verstehen kann man nicht innerhalb einer Woche. Wir haben eineSichtweise annähernd verstanden, doch die Geschichte der Israelis und Palästinenser ist so umfangreich, das wahrscheinlich nur wenige von sich behaupten können, sie verstünden jedes Detail des Konflikts. Wahrscheinlich kann keiner von uns sagen, dass diese Reise nicht in irgendeiner Weise einen verändert hat. Diese Stadt und dieses Land, egal wie man es bezeichnet, ist eindrücklich. Wir fuhren am 9. November zurück, was man in mehrerer Hinsicht auf dieses Land beziehen kann. 9. November 1938, Reichspogromnacht, die Nationalsozialisten hetzen dazu auf, jüdische Geschäfte zu zerstören, Juden zu verprügeln und zu töten. Der Holocaust war einer der Gründe, warum die Vereinten Nationen den Juden im Jahr 1948 das Land Israel gaben. 9. November 1989, die Mauer die Deutschland teilte, fällt, ein Land wird vereint. Vielleicht wird auch eines Tages ein 9. November 1989 ist Israel geschehen und die Menschen werden einsehen, dass Mauern, die Menschen trennen sollen, keine Lösungen sind. Doch bis dahin, dass wurde einem eindeutig klar, ist noch ein langer Weg.

Isolde Sellin, MWS-Presse